Datenschutz, Patriotismus und PR

Privacy, Security

Was Verbraucher über die rechtliche Auseinandersetzung Apple vs. FBI wissen sollten

Am 2. Dezember des vergangenen Jahres fand ein schrecklicher Terroranschlag im kalifornischen San Bernardino statt, 14 Menschen verloren dabei ihr Leben. Die Motivation der Angreifer und das Ausmaß ihrer Pläne liegen zum Teil noch im Dunkeln. Die Antwort könnte sehr gut auf dem iPhone einer der Täter zu finden sein. Das FBI hat verständlicherweise das Bedürfnis, darauf zugreifen zu können. Beispiellose rechtliche Schritte, um dies zu erzielen, haben eine hitzige Online-Debatte ausgelöst. In dieser Debatte sind Privatsphäre, Patriotismus und PR nur einige der Faktoren, die eine öffentliche Diskussion beeinflussen. Darin geht es darum, eine neue, oft widersprüchliche Haltung gegenüber Verschlüsselung zu reflektieren.

Kurzer Einblick in die Geschichte der Verschlüsselung

Die Nutzung von Codes zum Schutz sensibler Daten ist fast so alt wie die Zivilisation. Tontafeln im alten Mesopotamien deuten auf Versuche von Handwerkern, Handelsgeheimnisse zu verbergen. Die Hauptfunktion der Verschlüsselung während ihrer ganzen Geschichte bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts war es aber, zu verhindern, dass militärische Geheimnisse in die falschen Hände fallen. Die römisch-antike Cäsar-Chiffre und die Enigma-Maschine sind einige der bekanntesten Beispiele.

Der Wendepunkt für die Verschlüsselung, der dahin geführt hat, wo wir uns heute befinden, kam in den frühen siebziger Jahren. Industriespionage war die ursprüngliche treibende Kraft hinter der Entwicklung der digitalen Verschlüsselung. Der frühe Computerriese IBM bildete eine interne „Crypto-Gruppe“ und die ominöse „Lucipher“-Chiffre etablierte sich schließlich als nationale Norm unter dem technischen Namen DES. Zunächst war die US-Regierung glücklich darüber, Verschlüsselungsstandards zu erlassen, um Geschäftsinteressen zu schützen. Heute kämpft sie vor Gericht gegen die Unternehmen, um die Kontrolle wiederzuerlangen.

Der Fall Apple vs. FBI

Bei diesem besonderen Rechtsfall setzt die US-Regierung auf einen Präzedenzfall. Dabei geht es darum, ob Unternehmen überhaupt einen Mechanismus bauen dürfen, der jemanden, einschließlich der Strafverfolgung, vom Zugriff auf die Geräte abhält. Weltweit führen westliche Regierungen mit der größten Aufklärungsmaschinerie bereits seit einigen Jahren einen „passiv-aggressiven“ Kampf mit Silicon Valley. F-Secure-Forscher Sean Sullivan erklärt dies anhand eines analogen Beispiels:

Sagen wir, ich wohne in einem Mehrfamilienhaus. Apple besitzt das Gebäude, hat aber das Wohnungsschloss so konstruiert, dass es sogar Apple selbst nicht öffnen kann. Niemand kann dies – außer mir. Und entscheidend ist: Wenn versuchen wird, es mit Gewalt zu öffnen, wird eine Sprengfalle das zerstören, was von Wert ist in der Wohnung. Das FBI wendet sich an ein Gericht, das Apple dazu auffordert, eine spezielle Version dieses Schlosses zu erstellen, die das FBI dann knacken könnte.

In diesem Fall hat Apple sein System absichtlich so aufgebaut und hat deswegen keine Kopie des Schlüssels. Es ist ein Geheimnis, dass in der Hardware der Geräte enthalten ist. Das FBI verlangt von Apple, eine veränderte Version von iOS mit Apples Signaturzertifikaten zu erstellen, damit das FBI das Schloss knacken kann, ohne dass die Sprengfalle hochgeht. Apple weigert sich, mit der Begründung, dass ein gefährlicher Präzedenzfall geschaffen werden würde, wenn derartige Anträge regelmäßig eingehen würden. Die trotzige Haltung von Apple ist aber auch eine clevere Geschäftsentscheidung. Apple kann sich eine Armee von Anwälten leisten, um gegen die Gerichte zu kämpfen – und diese Haltung sorgt zudem für einen gewaltigen PR-Auftrieb.

Sicherheit oder Datenschutz?

 Die Regierungen behaupten, Zugang zu verschlüsselten Daten ist wichtig, im Namen der nationalen Sicherheit. Bislang ohne Beispiel ist es aber, die Unternehmen zu zwingen, neue Software zu schreiben, um die Sicherheit ihrer Geräte zu schwächen. Dies wird durch die Tatsache verstärkt, dass FBI sich auf den „All Writs Act“ von 1789 als Grundlage in diesem Rechtsfall stützt. Dieses obskure Bundesgesetz wurde geschaffen, um Gerichten die Möglichkeit zu geben, „notwendige und angemessene“ Anordnungen zu erteilen, um gerichtliche Befugnisse flexibel zu machen. Die Ironie ist nicht gerade subtil: Ein Gesetz aus dem Jahr 1789 bei einem rechtlichen Präzedenzfall zum Thema Softwareverschlüsselung zu nutzen, ist das Gleiche, wie mit dem „Locomotive Act“ von 1896 die kommerzielle Raumfahrt regulieren wollen.

Dieser ideologische Ringkampf zwischen Sicherheit und Freiheit des Einzelnen ist der Kern des Problems. Die individuellen Freiheiten stehen scheinbar auf verlorenem Posten. Sicherheit ist ein sehr greifbares Konzept und ein beliebtes Thema unter den Politikern. Dabei kippen sie die Balance zu ihren Gunsten gegenüber einer intuitiv weniger populistisch nutzbaren persönlichen Freiheit. Es stellt sich auch die Frage: Wenn Apple sich einmauert, wo wird dies enden? Wird jede Verschlüsselung gezwungen künftig eine Hintertür für rechtliche Zwecke haben müssen? Was passiert, wenn die Werkzeuge zur Umgehung der Verschlüsselung in die falschen Hände fallen? Dies wäre ein unwiederbringlicher Schritt weg von einem Eckpfeiler der digitalen Freiheit, für die sich Unternehmen wie F-Secure einsetzen.

Der zugrundeliegende Unterschied zwischen den Positionen von Apple und dem FBI sind die Auswirkungen, die eine solche Software für die Zukunft der Verschlüsselung haben würde. Apple muss seinen Ruf und das Vertrauen der Verbraucher bewahren, während das FBI verständlicherweise frustriert darüber ist, in einem Fall von inländischem Terrorismus nicht tiefgründiger ermitteln zu können. Oder wie ein Zyniker sagen würde: Bei Apple regiert das Geld, während die FBI-Agenten ihre Macht demonstrieren wollen.

 Schlussfolgerung

 Der Punkt ist, dass jeder seine eigenen Ziele und Absichten verfolgt, die irgendwo zwischen kurzsichtigem Eifer, Machtanspruch, klugen PR-Schachzügen und begründetem Idealismus liegen. Wir können nicht sagen, wie das Datenschutzrecht aussehen soll. Die eigenen sensiblen Informationen und den Netzwerkverkehr vor Kriminellen, Unternehmen und Regierungen zu schützen, fällt unter die Verantwortung der Verbraucher. Zum Glück gibt es Optionen wie F-Secure Freedome, die für jedermann zugänglich sind über das Internet.

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