Ist es ok, das Geo-Blocking von Netflix zu umgehen?

Sicherheit & Privatsphäre

Viele Kriege finden zurzeit statt, auch sog. Crypto Wars  machen Schlagzeilen. Und Netflix hat seinen eigenen Krieg gegen das VPN gestartet. Die Content-Industrie kämpft bereits jahrelang gegen Piraterie. In der Praxis erwies sich dies eher als ein Krieg gegen die Kunden und gegen neue Technologien.

Netflix hat vor Kurzem damit begonnen, Nutzer zu sperren, die auf den Dienst über einen VPN-Dienst, wie F-Secure Freedome, zugreifen. Netflix will das eigentlich nicht, ist aber durch Verträge mit den Eigentümern der Inhalte dazu gezwungen. Das Modell für dieses Geschäft wurde vor der Internet-Ära geschaffen und dieses besagt, dass Vertriebsrechte für jeden geografischen Bereich vergeben werden. Der Content-Industrie ist es nicht gelungen, in der Welt von heute anzukommen. Diese geografisch begrenzten Verträge verursachen natürlich Probleme im durch und durch globalisierten Internet.Netflix_PR_UI_WEB_RegDarwin_OutofDevice_DE-AT

Aufgrund dessen ist der Katalog von Netflix nicht in jedem Land gleich. Das Gras ist natürlich immer grüner auf der anderen Seite der Grenze. Viele Benutzer versuchen daher, auf das Netflix-Angebot eines anderen Landes zuzugreifen. VPN-Anbieter wiederum können Tricks anwenden, um die Blockierung zu umgehen. Damit hätten wir also alle Zutaten für ein endloses Katz-und-Maus-Spiel.

Was also ist die große Frage? Wie sollten VPN-Anbieter mit dieser Situation umgehen? Die Beschränkungen mögen unpopulär sein, aber es gibt eine solide Rechtsgrundlage dafür. Das Blockieren von VPNs hat jedoch auch viele unangenehme Nebeneffekte.

Zunächst das Argument für eine Blockierung: Ja, die geografisch begrenzten Vertriebsverträge sind veraltet und passen nicht in Netflix´ Geschäftsmodell. Aber sie sind rechtlich legitim und verbindlich für Netflix. Netflix ist davon nicht gerade begeistert, aber muss sicherstellen, dass die Inhalte an das richtige Land geliefert werden. Da ein VPN den realen Standort eines Benutzers verschleiert, hat Netflix keine andere Wahl, als die Benutzer zu blockieren.

NET_CIC_BED_020_cl_4K_v01_3 Das große Problem mit blockierten VPNs ist, dass das Umgehen von Geo-Blocking nicht ihr einziger Zweck ist. Stellen Sie sich einen Mann vor irgendwo in den USA. Er will Netflix auf seinem Tablet im Hotelzimmer nutzen. Das Hotel-WLAN ist offen und mit Vorsicht zu genießen, aber zum Glück hat er Freedome auf seinem Tablet installiert. Das Dumme ist nur, dass Netflix VPNs blockiert. Er versucht nicht zu betrügen oder irgendetwas dergleichen. Er ist in den USA und will die US-Version von Netflix nutzen. Aber Netflix denkt, dass er ein Betrüger sein könnte, so dass er blockiert wird. Es verbleiben ihm nur zwei Optionen. Auf Netflix verzichten oder Freedome deaktivieren – und das Risiko eingehen, ungeschützt ein zweifelhaftes Netzwerk zu nutzen.

Ein weiteres Beispiel ist YLE, die nationale Rundfunkgesellschaft in Finnland. Die meisten Programme werden online angeboten, aber viele sind beschränkt auf Finnland und nur dort sichtbar. Sie sind jedoch mit Steuergeldern produziert oder gekauft worden. Stellen Sie sich eine Person vor, die in Finnland lebt, aber – sagen wir – 200 Tage im Jahr im Ausland unterwegs ist. Wäre es fair, wenn diese Person Freedome nutzt, um die eigentlich im Ausland nicht verfügbaren Inhalte anzusehen? Immerhin hat der Geschäftsreisende dafür seinen fairen Anteil gezahlt und muss auch weiterhin Steuern zahlen.

Das Blockieren von VPNs bedeutet, eine Liste von Knotenpunkten vorzuhalten, die den geschützten VPN-Verkehr ins offene Internet leiten und Kunden, die von diesen Knotenpunkten kommen, den Service zu verweigern. Dies ist eine gewaltige Aufgabe – und die Liste wird nie vollständig sein. VPN-Anbieter können sich durch die Änderung der Adressen ihrer Knotenpunkte wehren. Dieser Kampf ist essentiell für Anbieter, die vor allem einen Service zur Umgehung von Geo-Blocking vermarkten.

Für F-Secure sieht die Situation jedoch anders aus. Freedome wurde ursprünglich entwickelt, um die Privatsphäre und Sicherheit der Nutzer zu schützen, wenn sie ungesicherte Netzwerke verwenden. Es kann auch zum Umgehen von Geo-Blocking verwendet werden, und diese Funktion wird zweifellos von einigen Kunden geschätzt. Sie war aber nie das primäre Ziel dieses Produkts. Sollte F-Secure also in dieses Katz-und-Maus-Spiel eingreifen – oder nicht?

Wir sind immer bereit, uns für unsere Nutzer einzusetzen und sprechen uns aus gegen Themen wie intrusive Überwachung und die Bedrohungen der Privatsphäre im Internet.

Aber wir wollen auch nicht als sicherer Hafen für Kriminelle dienen. Das Umgehen von Geo-Blocking geht in eine Grauzone. Es fällt nicht unter kriminelle Aktivitäten, aber es verstößt in der Regel gegen die Nutzungsbedingungen der Dienste. Es ist legitim, dass die Content-Eigentümer ihre Rechte am geistigen Eigentum schützen, aber VPN-Blockierung ist ein stumpfes Werkzeug, das auch problematische Nebeneffekte hat. Verletzungen des Rechts auf geistiges Eigentum zu unterstützen, gehört nicht zu unseren Zielen. Die Probleme, die für unsere Nutzer verursacht werden, könnten Anti-Blocking-Funktionen jedoch rechtfertigen.

Leider haben wir auf die in der Überschrift gestellte Frage keine finale Antwort. Teilen Sie uns doch mit, was Sie denken.

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1 Kommentare

Den Verlust an persönlicher Sicherheit sehe ich in der heutigen Welt als sehr schwerwiegend an.
Das Problem von Netflix ließe sich auch lösen, wenn sie den Account mit einem nachgewiesenen Land verbinden. Dann kann der User immer nur diese Angebote nutzen, egal wo er sich befindet.
Immer bekommt er die Angebote seines Heimatlandes und des Vertrages den er mit der Fa. eingegangen ist…

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