Kinder brauchen besseren Schutz – ein offener Brief an Entwickler und Entscheider

Sicherheit & Privatsphäre, Vernetztes Leben

Am 9. Februar ist wieder Safer Internet Day , die Gelegenheit schlechthin, um zu reflektieren, welche Art von Internet wir unseren Kindern bieten. Und welche Art von elektronischer Umgebung sie von uns erben werden.

Einiges müssen wir einfach akzeptieren. Unsere Kinder lieben ihre Smartphones und das Netz. Sie haben Zugriff auf eine Menge Sachen, die sie interessieren. Und es ist ihre neue coole Art, miteinander in Kontakt zu sein. Aber das Netz ist nicht für sie gemacht und auch jüngere Kinder nutzen bereits Smartphones. Technologie unterstützt Eltern hier nicht richtig und sie erhalten oft nur einen sehr schlechten Einblick, was ihre Kinder online so tun. Dies manifestiert sich in einem breiten Spektrum von Problemen, von Cybermobbing bis hin zu Cybergrooming. Diese Situation ist alles andere als akzeptabel!

Es gibt mehrere Faktoren, die zu dieser enormen Problematik beitragen:

  1. Die künftig wichtigsten Kommunikationsgeräte, die Smartphones, sind für Kinder eigentlich nicht geeignet. Rudimentäre Funktionen, um die Kinder zu schützen, sind zwar bereits verfügbar, aber die Entwicklung ist zu langsam.
  2. Die Sozialen Medien werden den Bedürfnissen von Kindern und Eltern nicht gerecht. Die meisten Dienste bieten nur eine einheitliche Benutzererfahrung für Kinder und Erwachsene an und berücksichtigen keine Eltern-Kind-Beziehungen.
  3. Gesetzgebung und Kontrollbehörden sind national, während das Internet global ist. Wir werden nicht viel erreichen, ohne einen global einheitlichen Rahmen, um sowohl Gerätehersteller als auch Serviceprovider mit in die Verantwortung zu ziehen.

Lassen Sie uns diese drei Punkte näher betrachten.

Mobile Geräte, basierend überwiegend auf iOS und Android, haben gegenüber altmodischen Computern erhebliche Sicherheitsfortschritte gemacht. Das Sandbox-App-Modell, bei dem Apps nur begrenzte Berechtigungen im System haben, ist gut, um Malware in Schach zu halten. Der Nachteil ist jedoch, dass sich keine herkömmlichen Anti-Malware-Produkte für diese Umgebungen realisieren lassen. Diese Produkte können das System insgesamt und Aktivitäten auf vielen Ebenen überwachen. Das neue Modell hilft Malware zu bekämpfen, aber es gibt eine breite Palette von anderen Bedrohungen und ungeeigneten Inhalten, die nicht effizient genug bekämpft werden können.

Wir von F-Secure verfügen über eine Menge an Technologie und Wissen, um für die Sicherheit der Geräte zu sorgen. Es ist frustrierend, dass wir nicht diese Technologie effizient auf den Geräten bereitstellen können, die unsere Kinder so gerne verwenden. Wir können Dinge realisieren wie einen sicheren Browser, der unerwünschte Inhalte herausfiltert, aber wir können nicht filtern, auf was die Kinder über andere Apps zugreifen. Um die Kinder zu zwingen, unseren sicheren Browser zu verwenden, ist eine trickreiche Konfiguration erforderlich. Die Gerätehersteller sollten die Notwendigkeit für elterliche Kontrolle bei mobilen Geräten erkennen. Sie sollten Funktionen bieten, die es uns ermöglichen, in allen Anwendungen eine verwaltete und sichere Erfahrung für die Kinder durchzusetzen.

Datenschutz ist ein Thema von höchster Wichtigkeit in den Sozialen Medien. In den meisten Plattformen sind gute Tools implementiert, die es Benutzern ermöglichen, ihre Privatsphäre zu verwalten. Das ist großartig, aber hat auch eine Kehrseite, genauso wie das App-Modell in mobilen Betriebssystemen. Kinder können sich in den Sozialen Medien anmelden und den gleichen Schutz der Privatsphäre wie Erwachsene genießen. Auch gegenüber ihren Eltern.

Was wir brauchen, ist eine besondere Art von Kinderkonto, das an eines oder mehrere Erwachsenenkonten angebunden sein muss. Die Erwachsenen hätten ein gewisses Maß an Transparenz, was das Kind tut. Volle Transparenz wäre jedoch nicht der richtige Weg. Denken Sie daran, dass Kinder auch ein gewisses Recht auf Privatsphäre haben. Eine gute Maßnahme wäre zunächst, dass angezeigt wird, mit wem und wie oft das Kind kommuniziert, aber ohne den Inhalt der Nachricht zu zeigen. Das würde es Eltern ermöglichen, Cyberbullying- und Cybergrooming-Muster bereits in einer frühen Phase zu erkennen.

Was aber, wenn sich die Kinder als Erwachsene anmelden, mit einem falschen Geburtsjahr? Im Moment gibt es keine zuverlässige Möglichkeit, dies zu verhindern, ohne dass strenge Identitätskontrollen für neue Benutzer eingeführt werden – und dies ist allgemein nicht realisierbar. Eine Gerätekontrolle könnte die Antwort sein. Wenn die Eltern bestimmte Social-Media-Konten auf dem Gerät sperren können, dann ließe sich dadurch sicherstellen, dass das Kind wirklich ein Kinderkonto verwendet, das an die Eltern angebunden ist.

Die hier vorgestellten Ideen wären allesamt größere Änderungen. Die Gerätehersteller und Social-Media-Unternehmen haben nur eine begrenzte Motivation, sie voranzutreiben, da sie nicht an ihre Geschäftsmodelle geknüpft sind. Es ist daher sehr wichtig, dass es eine externe, zentrale treibende Kraft gibt. Die Behörden. Und dass diese Kraft weltweit harmonisiert agiert. An dieser Stelle wird es wirklich schwierig. Viele der Probleme, mit denen wir im Internet heute konfrontiert sind, stehen irgendwie im Zusammenhang mit mangelnder globaler Harmonisierung. Dieser Bereich ist keine Ausnahme.

Die Maßnahmen, die uns heute zur Verfügung stehen, sind: viel zu reden mit den Kindern, klare Regeln zu setzen und zu drohen, ihnen das Smartphone wegzunehmen. Einige der Probleme können ohne Zweifel auf diese Weise gelöst werden. Es besteht aber immer noch die Gefahr, dass sich gefährliche Online-Szenarien lange entwickeln können, bevor die Eltern etwas bemerken. Der Status quo ist somit wirklich kein akzeptabler Zustand.

Ich hoffe auch, dass die Eltern nicht Angst bekommen und das Problem lösen, indem sie den Kinder einfach kein Smartphone kaufen. Das wäre noch schlimmer als die scheinbaren Gefahren durch ein unkontrolliertes Netz. Die Fähigkeit zur Nutzung dieser Geräte und der Sozialen Median wird eine grundlegende Fähigkeit in der Gesellschaft der Zukunft sein. So gilt es auch hier: Früh übt sich. Und mobile Geräte werden immer auch Werkzeuge sein, die die Gruppe zusammenhalten. Ein Kind ohne Smartphone wird schnell zum Außenseiter. Somit ist die Anti-Smartphone-Strategie keine wirkliche Alternative mehr.

Dieses Thema scheint fast endlos diskutierbar zu sein. Es ist klar, dass wir die Probleme nicht über Nacht lösen können. Aber wir müssen damit beginnen, so schnell wie möglich auf diese Ziele hinzuarbeiten. Mobile Geräte und das Internet werden ein Grundstein in der Gesellschaft von morgen sein. In der Gesellschaft unserer Kinder. Wir schulden ihnen ein Netz, das besser für sie geeignet ist. Wir werden dies nicht während der Kindheit unserer Kinder erreichen. Wir müssen aber jetzt anfangen, daran zu arbeiten, damit dies für unsere Enkelkinder Realität wird.

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