Your porn is watching you – der Mythos vom privaten Internet-Surfen

Sicherheit & Privatsphäre

„Dinge, die Menschen im Internet tun, aber nie zugeben würden“ – Statistiken hierzu sind nicht verfügbar, aber wenn man eine Umfrage durchführen würde, wäre die häufigste Antwort nicht schwer zu erraten. Es ist nicht gerade ein Geheimnis, dass Internet-Pornografie in großem Stil konsumiert wird. Egal zu welchem Zeitpunkt, sind mindestens fünf der weltweit hundert am häufigsten Websites sogenannte Adult-Sites mit pikanten Inhalten für Erwachsene. Je nachdem, welche Metriken herangezogen werden, macht Porno 30 Prozent des gesamten Web-Traffic aus. Doch einer aktuellen Umfrage zufolge geben nur 12 Prozent der Menschen zu, diese Websites tatsächlich zu nutzen. Die Möglichkeit, dass solche Websites den Benutzer „tracken“, seine Aktivitäten aufzeichnen und möglicherweise den Browser-Verlauf mit dem Namen einer Person verknüpfen, ist potenziell ebenso peinlich wie besorgniserregend.

Dies ist umso schlimmer, da der Schutz durch privates oder Inkognito-Browsing in die falsche Richtung weist. Der Inkognito-Modus ist eine Funktion, dank der Benutzer keine Spuren der besuchten Websites auf ihrem Computer hinterlassen. Sobald das Browser-Fenster geschlossen ist, werden Suchverlauf, Lesezeichen und Passwörter entfernt. Wir haben keine Spuren unserer Web-Aktivitäten auf unserem Computer, somit müsste alles weg sein, oder? Weit gefehlt. Paradoxerweise sind die Informationen, die man privat halten möchte, für den Benutzer unsichtbar, aber sehr gut sichtbar auf den Rest des Internets.

Private-Browsing entfernt nur Spuren vom Computer, aber Tracking-Cookies und andere persönliche Daten werden wie gewohnt an Dritte weitergeleitet – und Websites für Erwachsene gehören zu den größten Schnüfflern draußen im Netz. Scans haben gezeigt, dass rund 85 Prozent der Erwachsenen-Sites Cookies nutzen, die ein Profil auf Grundlage der Besuchshistorie erstellen und diese Information an Werbekunden senden. Nicht nur, dass sie Zeichenfolgen speichern und mit anderen teilen, sie benennen diese auch mit Namen und Beschreibungen der Inhalte, die der Benutzer beobachtet. Und das alles, während Sie sich im sogenannten „Inkognito“-Modus sicher wähnen.

Für viele Menschen, ja die meisten Menschen könnten diese Informationen im schlimmsten Fall einen peinlichen Gesichtsverlust darstellen. Aber die Schwächsten wären in diesem Fall Gruppen mit nicht-heterosexueller Orientierung, die in Gesellschaften leben, in denen die individuellen Freiheiten unterdrückt werden und die Betroffenen stigmatisiert, verfolgt und in einigen Fällen zu Unrecht vom Gesetz bestraft werden.  Die Menschen, die am meisten durch den Missbrauch ihrer Privatsphäre zu verlieren haben, sind diejenigen, die sich verstecken müssen, selbst wenn ihre Lebensweise niemandem Dritten schadet.

Inhalte für Erwachsenen sind immer noch ein abstraktes Thema: Teil des öffentlichen Bewusstseins, aber weit davon entfernt, für den Smalltalk geeignet zu sein. Wir glauben, dass das Privatleben von Einzelnen niemanden etwas angeht, solange sie nicht gegen das Gesetz verstoßen und dabei andere verletzen. Digitale Freiheit ist ein Menschenrecht.

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