Mikko Hyppönen gibt aktuellen Zustandsbericht über das Internet ab

Sicherheit & Privatsphäre

Angesichts von ständig neuen Malware-Angriffen und Datenschutzverletzungen, die in den Nachrichten kursieren, scheint das Internet weniger sicher als je zuvor zu sein. Mikko Hyppönen, Leiter der Forschungsabteilung von F-Secure, gibt einen Überblick zum Zustand des Internets und zeigt Ideen auf, wie alle gemeinsam ein besseres Internet schaffen können.

Während das Internet die Welt in so viele positiver Hinsicht revolutioniert hat, „hat man manchmal das Gefühl, wir haben ein Monster erschaffen“, so Hyppönen. Jede Innovation hat seine dunkle Seite. Hier sind einige Beispiele dafür:

Open Source als Lösung, die zu mehr Sicherheit beiträgt?
Vielleicht … vielleicht auch nicht. Open-Source-Software wird oft als sicherer angesehen, weil der Quellcode für jedermann zu sehen ist und – theoretisch – einem größeren Maß an Kontrolle ausgesetzt ist. Aber Hyppönen weist darauf hin, dass 2014 zwei der größten Sicherheitsbedrohungen – Heartbleed und Shellshock – auf bedeutende Sicherheitslücken in Open-Source-Systemen zurückgehen, die viel zu lange unbemerkt blieben.

Digitale Währungen zur Rettung des Finanzsystems?
Digitale Zahlungssysteme wie Bitcoin basieren auf Kryptographie und könnten grundsätzliche Probleme unserer Geldsysteme lösen. Aber sie haben auch neue Probleme inspiriert. Hacker erstellen Malware, um die Bitcoin-System auszunutzen. Und das Rennen um Supercomputing-Leistung für Bitcoin Mining hat viele Millionen Dollar für den Betrieb von Rechenzentren verbrannt (eines davon sogar buchstäblich), als der Bitcoin-Wert abgenommen hat.

Das Internet der Dinge.
In einer Welt, in der Alltagsgeräte wie Toaster, Waschmaschinen oder Autos untereinander vernetzt sind, ergeben sich erstaunliche Möglichkeiten. Aber ein „intelligentes“ Gerät bedeutet nur ein weiteres Gerät, das für unlautere Zwecke ausgenutzt werden kann“, erklärte Hyppönen. So wurde bereits Malware entdeckt, die intelligente Überwachungskameras in Bitcoin-Mining-Geräte verwandelt. Das Potenzial, mit intelligenten Geräten in die Privatsphäre einzudringen, mit Technologien wie Sprach- oder Gesichtserkennung, sei nur am Rande erwähnt.

„Kostenlose“ Internet-Dienste.
Nur weil kein Geld für eine Dienstleistung verlangt wird, bedeutet das nicht, sie ist kostenlos, auch darauf weist Hyppönen hin. Der Nutzer gibt immer etwas auf. Wenn es nicht Geld ist, sind es seine persönlichen Daten. Es sei denn, was die meisten Menschen nicht machen, man nimmt sich die Zeit, um die Allgemeinen Geschäftsbedingungen zu lesen, um zu erfahren, was diese Dienste mit den persönlichen Daten so alles anstellen.

Der Überwachungsstaat.
Die Regierungen haben sich zu einer der wichtigsten Quellen für neue Malware entwickelt. Sie können andere Regierungen beobachten – ebenso wie ihre eigenen Bürger beobachten. „Mit der Erschaffung des Internets haben wir das perfekte Werkzeug für den Überwachungsstaat errichtet“, sagte Hyppönen. Feindliche Regierungen können überwachen, was wir tun, wo wir sind, mit wem wir kommunizieren und was wir denken.

„Wir haben die große Revolution des Internets miterlebt. Aber wenn wir uns nicht gerade jetzt um die Probleme kümmern, die wir täglich sehen, können wir möglicherweise kein freies und offenes Internet an unsere Kinder weitergeben.“ — Mikko Hyppönen

In einer aktuellen Umfrage von F-Secure gaben 46 Prozent der Leute an, dass sie hinsichtlich der Sicherheit und Privatsphäre Vertrauen in das Internet haben, wenn sie Sicherheitsvorkehrungen getroffen haben. 39 Prozent haben nicht besonders großes Vertrauen und 11 Prozent haben gar kein Vertrauen ins Web. Nur 4 Prozent antworteten, dass sie Vertrauen haben in das Internet und sich nicht viel über Sicherheit und Privatsphäre sorgen.

Diese Ergebnisse sind kaum verwunderlich – pro Tag erhält F-Secure im Durchschnitt über 250.000 Desktop-Malware-Samples (meist Windows) und 9.000 Android-Samples. Diese Malware versucht, den Internetnutzern Geld, Inhalte und Daten zu stehlen.
F-Secure - Vertrauen Sie dem Internet

Was können wir tun?
Jeder kann Maßnahmen ergreifen, um damit ein besseres Internet zu schaffen. Hyppönen schlägt dabei ein paar einfache, aber wirksame Möglichkeiten vor:
– Stellen Sie Fragen. Beim Kauf eines neuen Gerätes Fragen stellen im Geschäft: Ist das Gerät im Hintergrund online? Warum? Sammelt es Informationen über mich und welche Art von Daten? Bestehen Sie auf Antworten. Machen Sie den Geräteherstellern und Einzelhändlern klar, dass sich Menschen um die Wahrung ihrer Privatsphäre kümmern.

– Halten Sie die großen Jungs davon ab, zu viel zu wissen. Wenn Sie bei Google und Facebook eingeloggt bleiben, während Sie im Internet surfen, können diese Dienste Sie im ganzen Web verfolgen. Wenn Sie glauben, dass diese Internet-Giganten schon genug über Sie wissen, verwenden Sie einen separaten Browser nur für diese Dienste, und loggen Sie sich nicht mit Ihrem Haupt-Browser ein.

– Fordern Sie bessere Geschäftsbedingungen und Endbenutzer-Lizenzvereinbarungen. Diese sind bekanntlich sehr lang und so formuliert, dass Durchschnittsbürger sie nicht verstehen können. Fordern Sie einfachere Formulierungen, die jedermann – auch ohne Jura-Abschluss oder dafür einige Stunden Zeit investieren zu müssen – verstehen kann.

– Nutzen Sie die Macht der Cloud. Ziehen Sie die Nutzung einer Internet-Sicherheitslösung in Erwägung, die Benutzer mit Cloud-basierter Sicherheit schützt. Mithilfe der Cloud ist die Benutzerbasis wie eine Herde: Wenn ein Mitglied der Herde erkrankt, wird die ganze Herde gegen diese Krankheit geimpft. Cloud-basierte Sicherheit bedeutet den Austausch von Informationen, um damit alle zu schützen.

– Fragen Sie nach Transparenz. Verlangen Sie von Ihrem AV-Security-Anbieter Transparenz, wie er Sie schützt. Bitten Sie um eine Beschreibung darüber, welche Art von Daten von Ihnen und Ihrem Computer gesammelt werden. Beachten Sie, dass es weltweit nur einen Security-Anbieter gibt, der veröffentlicht hat, wie er von den Benutzern Daten erhebt.

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